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Mach, was wirklich zählt.

Unteroffizier Louisa Huberty im Rettungstransportwagen.
Unteroffizier Louisa Huberty vor einem Rettungstransportwagen.

Unteroffizier Louisa Huberty ist bereit für ihre Notfalleinsätze.

Foto: © Bundeswehr / Jörg Dilthey

Helfen ist ihre Berufung

Deutsches Rotes Kreuz Lehrwache Baesweiler bei Aachen, kurz vor halb zehn: In der Wagenhalle warten zwei Krankentransportwagen (KTW) und ein Rettungstransportwagen (RTW) auf ihren Einsatz. Gerade kommt ein weiterer RTW zurück. Eine ältere Dame benötigte Hilfe. Sie klagte über schlimme Schmerzen im Bein. Wie sich herausstellte, handelte es sich nur um einen Wadenkrampf. Ein klassischer Fehlalarm. „Nun, das weiß man leider nicht vorher, um was für einen Notfall es sich handelt. Wir müssen immer davon ausgehen, dass der Anrufer jegliche Hilfe benötigt“, erklärt Louisa Huberty, die bei diesem Einsatz dabei war und nun den RTW für den nächsten Einsatz herrichtet.

Unteroffizier Louisa Huberty desinfiziert einen Rettungstransportwagen vor dem nächsten Einsatz.

Die Pflege von Fahrzeugen und medizinischem Gerät gehört zu den Aufgaben eines Notfallsanitäters bzw. einer Notfallsanitäterin.

Foto: © Bundeswehr / Jörg Dilthey

Ein solcher Einsatz ist kein Einzelfall. Pro Schicht rücken die Rettungskräfte oft etliche Male aus. Von verschluckten Knöpfen bis hin zu schweren Verkehrsunfällen ist dann alles dabei. Wenn es zu einem Unfall kommt, dann werden kühle Köpfe gebraucht, die im Chaos von Schaulustigen, Verletzten und Hektik die Ruhe bewahren und trotzdem routiniert die richtigen Ent­schei­dungen für den Patienten treffen können. Grundvoraussetzung für den Beruf des Notfallsanitäters sind also gute Nerven, Sorgfalt und ein hohes Verantwortungs­bewusst­sein. Denn der Notfallsanitäter ist häufig der Erste am Einsatzort, verschafft sich einen schnellen Überblick, leitet lebensrettende Erste-Hilfe-Maßnahmen ein und entscheidet auch, ob ein Notarzt hinzugezogen werden muss.


„Ich habe sogar schon zweimal Reanimationsmaßnahmen anwenden müssen. Das war schon ziemlich heftig. Einmal konnte ich das Leben retten“, sagt Louisa. Sie befindet sich gerade in einer sogenannten Zivilen Aus- und Weiterbildungsmaßnahme, kurz ZAW.


ZAW – was ist das?

Unteroffizier Louisa Huberty misst bei einem Patienten den Blutdruck.

Das Messen des Blutdrucks gehört für Unteroffizier Louisa Huberty bereits zur Routine.

Foto: © Bundeswehr / Jörg Dilthey

Die Soldatin erlernt während ihrer ZAW in einem zivilen Unternehmen den staatlich anerkannten Beruf zur Notfallsanitäterin und wendet ihre Kenntnisse und Fähigkeiten dann nach Abschluss der Ausbildung bei der Bundeswehr an.

Diese Möglichkeit bietet die Bundeswehr Soldatinnen und Soldaten, die sich nach der Schule für eine gewisse Zeit verpflichten (Soldat bzw. Soldatin auf Zeit). Dabei wird die Ausbildungszeit voll vergütet. Aber auch nach der abgeschlossenen Ausbildung werden die Notfall­sani­täter durch Fort- und Weiterbildungen bei der Bundeswehr ständig weiter gefördert. Nach dem Dienstzeitende sind diese Ausbildungen und Lehrgänge auch bei zivilen Arbeitgebern voll anerkannte Qualifikationen.

Erstwunsch Bundeswehr

Seit Oktober 2014 ist Louisa nun bei der Bundeswehr. Während des Abiturs hatte sie nur zwei Bewerbungen geschrieben – und auch zwei Zusagen erhalten. Neben der Bundeswehr wäre auch die Polizei infrage gekommen, aber ich Erstwunsch machte das Rennen. Nach den üblichen Einstellungstests im Karrierecenter der Bundeswehr in Trier begann für sie die Grundausbildung beim Sanitätsregiment 22 in Ahlen.

Unteroffizier Louisa Huberty überprüft den Notfallrucksack auf Vollständigkeit.

Der Notfallrucksack wird nach jedem Einsatz auf Vollständigkeit überprüft.

Foto: © Bundeswehr / Jörg Dilthey

Louisa hat sich für 13 Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet. „Ich wollte unbedingt während meiner Dienstzeit einen Beruf erlernen.“ Bei einem Karriereberater hatte sie sich damals beraten lassen. Als Abiturientin hätte sie sich auch als Offizier bewerben und bei der Bundeswehr studieren können. Das kam für sie aber nicht infrage. „Ich war froh, die Schule beendet zu haben.“ Eine Ausbildung zur Notfallsanitäterin mit dem Soldatenberuf zu verbinden, kam ihr da gerade recht. „Anderen Menschen in den schwierigsten Situationen zu helfen, das liegt mir sehr.“ Ihre Mutter war über Louisas Wunsch, zur Bundeswehr zu gehen, gar nicht begeistert. Ganz im Gegenteil. Sie hatte sogar große Angst davor, dass ihrer Tochter im Auslandseinsatz etwas zustoßen könnte.


„Heute ist sie aber sehr stolz und erzählt jedem, dass ich Soldatin bin. Meine Freunde hingegen haben bezüglich meiner Berufswahl gar nichts anderes erwartet.“


Kameradschaft, Tapferkeit und Durchhaltevermögen

Unteroffizier Louisa Huberty führt einen neurologischen Check mit der Pupillenleuchte an einem Patienten durch.

Auch der neurologische Check der Pupillen gehört zu ihren Aufgaben als Notfallsanitäterin.

Foto: © Bundeswehr / Jörg Dilthey

Louisa sagt heute nach knapp zwei Jahren bei der Bundeswehr, dass sie das Leben in der militärischen Gemeinschaft geprägt und in ihrer Persönlichkeitsentwicklung stark beeinflusst hat. „Ich habe tolle Erinnerungen an die Grund­aus­bildung. Ganz besonders an die Alarmposten im Biwak: Kamerad­schaft, Entschlussfreude, Standfestigkeit, Tapferkeit und Durchhaltevermögen. Ich habe gelernt, dass das keine hohlen Phrasen sind, sondern wirklich gelebte soldatische Tugenden. Seitdem fühle ich mich gefestigter, erwachsener und selbstsicherer.“ Louisa fühlt sich in der Truppe sichtlich wohl.

 „Ich möchte jetzt echt nicht den Eindruck erwecken, Süßholz zu raspeln, aber die Bundeswehr ist für mich der perfekte Arbeitgeber.


Ich habe diese Wahl bis jetzt noch keine Sekunde bereut. Die Ver­dienst­möglich­keiten sind klasse. Ich fühle mich rundum gut versorgt, nicht nur im Krankheitsfall.“ Nach ihrer Ausbildung, die insgesamt drei Jahre dauert, wird Louisa in ihre Stammeinheit zum Sanitätsregiment 2 nach Rennerod bei Koblenz zurückkehren. „Ich möchte gerne Berufssoldatin werden. Das ist mein Ziel.“ Das sagt sie mit einem breiten Lächeln im Gesicht.

Autor: Jörg Dilthey