• Neuer Inhalt
  • Zum Beratungsstellenfinder
  • Suche

Mach, was wirklich zählt.

Eine Soldatin sitzt mit zwei weiteren Soldaten in einem Klassenzimmer.
Gruppenfoto mit einer Soldatin und zwei Soldaten vor einem Gebäude.

Drei von über 70 Soldatinnen und Soldaten, die ihren Realschulabschluss nachholen.

Foto: © Bundeswehr / Prieß

Die Bundeswehr fördert angehende IT'ler

In der Bundeswehrfachschule Hannover läuft ein Pilotprojekt, das Soldatinnen und Soldaten ermöglicht, ihren Realschulabschluss nachzuholen und somit eine höhere Laufbahn anzustreben. Ziel ist es, in der Laufbahn der Feldwebel zum IT-Experten zu werden. Das heißt für über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer jetzt: Schulbank drücken. Sie nutzen die Chance, verpasste Möglichkeiten der Vergangenheit nachzuholen und für sich selbst oder die Familie mehr zu erreichen.


Oberstleutnant i. G. Timo Kaufmann sitzt an seinem Schreibtisch.

Oberstleutnant i. G. Timo Kaufmann vom Kommando Streitkräftebasis ist verantwortlich für das Projekt.

Foto: © Bundeswehr / Bier

73 Soldaten „eingeschult“

„Eine große Herausforderung“, erklärt Oberstleutnant i. G. Timo Kaufmann, Projektverantwortlicher vom Kommando Streitkräftebasis. Qualifizierte Bewerber zu finden ist schwierig, so entstand die Idee, motivierte Soldatinnen und Soldaten für den Berufsweg weiterzubilden. Mehr als 90 Interessierte meldeten sich, davon wurden 73 Schülerinnen und Schüler ausgewählt und in vier Klassen eingeschult. „Für alle eine absolute Win-Win-Situation”, freut sich Oberstleutnant i. G. Kaufmann.



Ein Soldat meldet sich im Unterricht per Handzeichen.

73 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nutzen ihre Chance.

Foto: © Bundeswehr / Prieß

Mehr rausholen: Für sich selbst und die Familie

Hauptgefreiter Mc Leod war zunächst Staplerfahrer, verpflichtete sich dann als Nachschubsoldat für acht Jahre beim Bund. Wie es danach einmal weitergehen sollte, bereitete dem bald zweifachen Vater Sorge.

Die Aussicht auf einen Dienstposten als IT-Feldwebel kam wie gerufen. „Ich will das auf Biegen und Brechen“, sagte Mc Leod, „ich will es mir beweisen und weiter gut für meine Familie sorgen.“ Im Moment heißt das auch, unter der Woche nach Hamburg zu pendeln , um den Sohn aus der KiTa abzuholen. Mc Leod: „Als Papa sieht man die Dinge eben anders als mit 20.“ Seine Stube teilt sich Mc Leod mit einem Mitstreiter. „Das ist super“, sagt er, „wir lernen zusammen.“ 


Für die Unterbringung der Schüler sorgt die Betreuungsstelle für Zivile Aus- und Weiterbildung, die zum Landeskommando Niedersachsen gehört. Für alle Pendler wurde eine Unterkunft in der Schul-Kaserne gefunden. Sport, Organisatorisches, Lernen, Hausaufgaben, militärisches Rüstzeug – auch die Nachmittagsgestaltung organisiert die Betreuungsstelle.

Eine Soldatin schreibt etwas an eine Tafel.

Kämpft für ihr Ziel: Hauptgefreiter Jacqueline Meincke unterbrach ihre Elternzeit.

Foto: © Bundeswehr / Prieß

Hauptgefreiter Jacqueline Meincke (25) aus Hannover unterbrach ihre Elternzeit, um am Projekt teilzunehmen. „Ich habe zwei Kinder, das jüngste ist vier Monate“, erzählt sie, „diese außergewöhnliche Chance wollte ich trotzdem nutzen.“ Schule, Hausaufgaben, Mutterpflichten: Die Belastung ist hoch. Ebenso aber der Antrieb. Meincke: „Wir haben tolle Lehrer und der Zusammenhalt in der Klasse ist jetzt schon da. Ich hoffe, ich bekomme die Chance, IT-Feldwebel zu werden!” Nach dem erfolgreichen Abschluss werden in einem Auswahlverfahren eines Karrierecenters die geeigneten Bewerber ausgewählt.



Portraitfoto des Hauptgefreiten Anthony Toler.

Guckt nach 13 Jahren Pause wieder in die Schulbücher: Hauptgefreiter Anthony Toler.

Foto: © Bundeswehr / Prieß

„Diese Chance ist Gold wert!“

Anthony Toler (29) sagt, er hätte früher besser mehr in die Bücher geschaut. Seine Prüfung zum Kfz-Mechatroniker hätte er dann auch nicht vermasselt, glaubt er. „Das waren verschwendete dreieinhalb Jahre“, ärgert sich Toler. Er nahm Nebenjobs an, arbeitete als Lagerist. „Alles definitiv nichts für immer”, sagt er. 2013 verpflichtete sich der Hesse bei der Truppe. Nun muss er nach 13 Jahren wieder pauken: „Nicht so leicht, aber diese Chance ist Gold wert!“ Schon vorher interessierte er sich für die Ausbildung zum IT-Feldwebel.



Ein ziviler Lehrer unterrichtet Soldatinnen und Soldaten.

Unterrichtet unter anderem Politik: Schuldirektor Paul Winter.

Foto: © Bundeswehr / Prieß

Auch mal eine zweite Chance zu gewähren, das zeichne die Bundeswehr aus, sagt Schuldirektor Paul Winter (58). Er unterrichtet seit fast 30 Jahren an Bundeswehrfachschulen. Er freut sich über die hohe Motivation seiner neuen Schützlinge. Mehr als 90 Prozent der Schüler erreichen den angestrebten Abschluss an seiner Schule. „Ich hoffe, dass der Pilotlehrgang diesen Schnitt hält, das wäre das richtige Signal, um damit Schule zu machen!“


Die Bundeswehrfachschulen
Die erste Bundeswehrfachschule eröffnete 1957 in Koblenz. In den ersten Jahren nutzten Berufssoldaten das Weiterbildungsangebot dienstbegleitend. Heute werden im Schwerpunkt Zeitsoldaten ausgebildet. Im Rahmen des Berufsförderungsdienstes bereiten sie sich auf den Einstieg ins zivile Berufsleben vor. Es können höherwertige Abschlüsse erlangt sowie bestehendes Schulwissen auf Stand gebracht werden. Alle Abschlüsse sind bundesweit anerkannt. Deutschlandweit gibt es zehn Bundeswehrfachschulen. In Hannover werden beispielsweise 200 Schüler pro Halbjahr von aktuell 23 zivilen Lehrern unterrichtet. Die Schulen sind dem Bildungszentrum der Bundeswehr in Mannheim unterstellt.

Autor: Jasmin Henning